Verzichten macht glücklich

Ich habe noch den Satz meines damaligen Jugendfreundes im Ohr: Mit Charlotte ist die Mark nur noch 50 Pfennig wert. Was mich damals allenfalls zu einem süffisanten DEIN-PROBLEM-GRINSEN veranlasste, macht mich heute nachdenklich. Aber nicht weil ich die Mark zurücksehne oder den Freund…sondern weil der Wert des Geldes mich beschäftigt.

Wer war an meinem Konto?

Wie viele von uns verfüge ich über ein regelmäßiges Einkommen und frage mich trotzdem oft schon Mitte des Monats, welche Ausgaben für mein plötzlich entstandenes riesiges Finanz-Loch zuständig sind? Im Geiste werden alle Kaufposten kurz durchgegangen: Der Friseurbesuch? Musste sein. Gesichtscreme? Was soll die Frage?! Kekse und Schokolade? Ich bitte dich Charlotte! Die Jeans? Okaaaäääy…., aber ich konnte nicht anders! Nächster Punkt? Dieser innere Dialog endet dann meistens ziemlich abrupt. Ganz einfach, weil mir spätestens bei den „Jeans-Ausgaben“ klar wird, wie unglaublich teuer so ein blödes Stück Stoff ist und wie viele Kekse und Schokolade ich mir hätte kaufen können, wenn ich darauf verzichtet hätte.

Wie viel Wert hat eine Jeans?

Warum also messen wir einem Stück Stoff so viel Bedeutung bei, dass wir immerhin einen erheblichen Teil unseres Geldes dafür ausgeben?

Wir kaufen diese Jeans oder die anderen teuren Must-Haves, weil sie uns ein besseres Leben versprechen. In dem Augenblick, wenn wir unsere Beute über dem Ladentisch entgegennehmen, überfluten uns Bilder von uns, wie wir immer sein wollten. Schön, überall (!) -schlank, geliebt und bewundert. Kurz ist man das Mädchen, mit dem alle in der Klasse zusammen sein wollten. Schon auf dem Weg nach Hause allerdings verblasst das Bild. Stattdessen sehen wir uns, ruiniert durch Fehlkäufe in einer kleinen 1-Zimmer Wohnung vor uns hinvegetieren. Dazu kommt die Blamage, als erwachsene Frau wieder einmal in derlei oberflächliche Konsumfallen getappt zu sein.

Was gelernt!

Ein Stück Stoff kann uns nicht schöner oder besser machen und schon gar nicht langfristig glücklicher. Meine neueste Gewohnheit, dem Obdachlosen vor meinem Einkaufsgeschäft bei jedem Einkauf 1 Euro zu geben und seine süße Hündin dabei zu streicheln, macht mich nachgewiesenermaßen viel glücklicher. Also hat mich meine 1 Euro-Investition für einen Menschen glücklicher gemacht, als meine anfänglich so verheißungsvolle Jeans-Ausgabe. Es ist doch so einfach, denke ich mal wieder: Verzicht macht glücklich!

TIPP: Immer die Quittung im Auge behalten und die Etiketten nicht sofort entfernen. Eine Nacht drüber schlafen und bei „Zur-Besinnung-Kommen“ einfach umtauschen.

2 thoughts on “Verzichten macht glücklich”

  1. Das ist wohl wahr… Man merkt kaum noch, wie arg der Wert des Geldes abgenommen hat, wie viel manche Dinge kosten und wie viel Geld man für Dinge ausgibt, die man früher zu dem Preis gar nicht angesehen hätte…
    Ich gehöre da – zum Glück – eher zu den pragmatischen Menschen. Ich kaufe Klamotten, um etwas an zu haben. Gefällt mir ein besonders teures Stück gut, so kaufe ich es zumeist gar nicht oder – wenn dann doch – ist das eine große Ausnahme, die alle Jahre mal passiert… Seufz…

    Liebe Grüße,
    die Alltagsheldin

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