Rock und Hemd bei sanderbasics

Ein Sideboard im Glück

In Studentenzeiten waren sie so unwichtig wie ein weiß gebügeltes Hemd: Möbel. Okay, direkt auf dem Boden schlafen, das hielt damals sogar selbst ernannter Purist Michael Stipe nicht aus. Also eine schlichte Federkern-Matratze dazwischen, möglichst geschenkt. Ja, so war das damals.

Wir haben es geschafft!

Umso befremdlicher empfand ich später Situationen, in denen ehemals Gleichgesinnte mir in ihrer Wohnung plötzlich mit stolz geschwellter Brust Sofas von Brühl oder Designer-Lampen von Tobias Grau präsentierten. Bei mir schien ein Gen entschieden nicht zu funktionieren. Das „Wir zeigen, was wir haben-Gen“. Immer schon praktisch veranlagt, habe ich nie eingesehen, warum das sauerverdiente Geld für simple Gebrauchsgegenstände das Konto verlassen soll. Und schon mal gar nicht für in meinen Augen dazu noch unglaublich hässliche Gegenstände.

GOODBYE hässlich und teuer

Beim Blick in bunte Verkaufs-Handzettel a la Möbel Kraft und Konsorten wurde mir regelmäßig schlecht. Diese gemusterten Ungeheuer wollte ich um keinen Preis in meinen 4 Wänden sehen, noch nicht mal für geschenkt. Aber von schenken war bei denen keine Rede. Im Gegenteil. Unfassbar viel Geld wollten die haben. Wer kauft so was? fragte ich mich verständnislos. Zurück in meiner Konsumwelt fühlte ich mich dann immer wahnsinnig clever. Was gab ich schon aus?

HELLO schön und günstig

Die meisten Einrichtungsgegenstände fand ich noch immer an der Straße oder auf Flohmärkten. Ganz verloren standen sie oft da. Ich gab ihnen ein neues Zuhause, überschüttete sie mit Liebe und weißer Farbe und war selig. So einfach und so günstig. Noch heute klopfe ich mir oft auf die Schulter und freue mich über jedes zurückgelassene Möbelstück, welches ich bei mir aufnehme.

Mein neuester Fund, ein Sideboard von der Diakonie, hat sich prächtig bei mir eingelebt. Es brauchte seine Zeit, bis seine wahre Schönheit erkennbar war, aber nun glänzt und strahlt es nur so vor sich hin. Und macht mich jeden Tag glücklich. Gekostet hat mich das Vergnügen nur 40 Euro. Liebes Sideboard, schön, dass du nun zu mir gehörst. Für dich hätte ich ausnahmsweise auch mehr bezahlt. Musst du ja niemandem weitersagen…

TIPP Diakonie in Wilhelmshaven, Schortens und Varel. Stilbruch in Hamburg. Besuchen, Schätze finden und durch einen Kauf die Arbeitsplätze der Verkäufer sichern. http://diakonie-fri-whv.de

3 Kommentare zu „Ein Sideboard im Glück“

  1. Ein echtes Designerstück, da möchte man(n) doch gerne den Rest der Wohnung sehen!

  2. Liebe Charlotte,

    Recht hast Du, zumal heute in den Designerläden für teuerstes Geld der sogenannte „Chebby-Look“ & Co. angepriesen wird.
    Das sind die Dinge, die tatsächlich auf den Dachböden verkümmert sind, abgestoßen an allen Ecken und Enden und für die man jetzt in allen Wohnzeitschriften und auch Läden (ich wohne in Eppendorf), auch wieder „Shebby-Look“ genannt, viel Geld zahlt.
    Abgestoßene Stühle, die man für tot gehalten hat, lassen sich durch eigene Kreativität wieder zum Leben erwecken. Warum eigentlich immer soviel Geld zahlen, wenn eigentlich alles auf dem Dachboden, oder im Keller liegt? Wir haben doch alle sowieso nicht mehr soviel Geld zum Ausgeben, trotz des faszinierend, hoch gelobten Euro. Dann mal alle ran.
    Aber Charlotte, gefällt mir, guter Ansatz für spätere Zeiten oder Zeiten, in denen wir uns jetzt befinden. Weiter so.

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