Geschwisterliebe

Geschwisterliebe

Lief deine Spucke auf mein Gesicht und du über mir sitzend mit deinem grinsenden Gesicht, schwor ich mir: Das kriegst du wieder. Meistens blieb das ein Wunsch. Du warst einfach stärker – obwohl du eigentlich viel kleiner warst, mein kleiner Bruder.

Die gleiche Zahl an Madonna-Gürteln um die Hosen

Heute höre ich Deacon Blue und denke an dich. An alte Zeiten, in denen dein plärrender Kassettenrecorder mit Raintown bis in mein Kinderzimmer drang. Ich denke an dich und daran, wie sehr du mich oft genervt hast mit deinen blöden Jungsthemen. 3 Jahre zwischen uns und damit oft ganze Welten. Später wurden aus den Welten kleine Inseln, auf denen wir uns trafen. Mit Freunden durch die Diskos unserer kleinen Stadt. Um die Hosen die gleich Anzahl an Madonna-Gürteln. Mit nassem Haar und verschwitzen Gesicht trafen wir uns zu den gleichen Songs auf der Tanzfläche, bildeten einen Kreis und strahlten uns an, weil der DJ deinen Wunsch nach endloser Warterei endlich spielte.

Kleiner Bruder

Kleiner Bruder, heute sind wir beide groß und ich höre Deacon Blue. Heute leben wir jeder unser eigenes Leben. Heute streiten wir uns oft darüber, wie du und ich jetzt sind. Heute denke an dich in großer Geschwisterliebe.

♥ #Liebe

♡ Papabrot

♡ Papabrot

Papa! Heute ist dein Geburtstag und ich erinnere mich an deine Abendbrote mit uns.

Deine Spezialität waren Brote mit Frischkäse oder von uns damals heissgeliebter Teewurst obendrauf.

Gott sei Dank war darunter nie so dick Butter wie bei Oma.

Unser Highlight allerdings waren deine künstlerischen Malereien direkt auf dem Belag. Oft war es eine Sonne oder ein Haus.

Egal, was du drauf maltest. Wir grinsten breit und schaufelten uns deine Liebe direkt in unsere Bäuche. Und dann gings schnurstracks ab ins Bett.

So war das damals. So warst du! Danke Papa, für das Glück, dich an unserer Seite gehabt zu haben. Und deine wunderbaren Papabrote.

#Papaliebe

Verzeihen macht glücklich!

Verzeihen macht glücklich!

Kennst du diese kleinen Verzeih-mir-Baustellen in deinem Leben? Egal, wie oft du über deine kleinen und großen Beziehungsbaustellen grübelst. Du bekommst sie einfach nicht in den Griff? So ging es mir auch. Bis ich meine kleine Verzeih-mir-Geschichte erlebte.

Die kleine Geschichte vom Verzeihen

Und Wie Verzeihen uns glücklich macht

Es ist früh morgens und ich mache meine Laufrunde im Park. Im Vorbeilaufen sehe ich mitten auf einer alten Holzbank eine etwas mitgenommene Zeitschrift. My Time steht oben auf dem Titel. Ich denke: Schöner Titel und schnappe mir das Heft.

Im Weitergehen überfliege ich den Inhalt und stocke bei einem kleinen Verzeih-mir-Artikel.

26. Juni ist Tag des Verzeihens

Am 26. Juni ist der Tag des Verzeihens, lese ich. »Das ist ein Zeichen« flippe ich innerlich aus. »Du musst mit, Magazin.

Ich habe noch ein paar Tage Zeit und bis zum Tag des Verzeihens mache ich dich richtig schön und dann gehst du per Post auf die Reise. Ich mach was ganz Großes aus dir.«

Meine Begeisterung hat einen guten Grund: Meine eigenen kleinen Baustellen, die sich im Laufe des Lebens einfach so angesammelt haben.

In Gedanken bei den Menschen, mit denen Funkstille herrscht, schüttle den Kopf und frage mich, warum ich es über eine lange Zeit nicht geschafft habe, diese Stille aus meiner Welt zu nehmen.

Warum ist Verzeihen nur so schwer?

Ich frage mich: »Warum ist es so schwer, dass zwei Menschen sich wieder gut sind? Eigentlich ist es doch ganz einfach: Es sind nur ein paar Worte und schon wird das Herz weich: Verzeih mir! Oder auf der anderen Seite: Ich verzeihe dir!

Der Stolz zieht ein

Was hinderte mich eine lange Zeit daran, diese Worte auszusprechen? Ich erinnere mich dunkel, dass es einen Zeitpunkt gab, da war einfach so viel Gras über die Sache gewachsen, dass gefühlt der richtige Zeitpunkt verpasst war.

Die Zeit ging immer weiter ins Land und eines Tages gab es ein ganz neues Hindernis auf dem Weg zur Versöhnung. Das Hindernis hört auf den Namen Stolz.

Am Anfang einer Zerrüttung kommt er mit viel TamTam herbei geeilt, macht sich wichtig und zimmert einen kleinen eisernen Vorhang ums Herz. Irgendwann ist er dann einfach da. Die Frage nach dem Warum ist irgendwie verloren gegangen.

Du kannst jetzt gehen, lieber Stolz

Ich spüre, dass es langsam Zeit ist, ihn gehen zu lassen.

Also nehme ich meinen Stolz fest ins Visier und frage: »Stolz, sag mal, warum bist du eigentlich da?« Der Stolz und ich sehen uns verdattert an. Als nach etlichen Minuten noch immer nichts aus ihm herauskommt, werde ich deutlich. »Du weißt es gar nicht mehr, oder? Du bist einfach nur noch hier, weil du dich daran gewöhnt hast, stimmts?« Du lungerst einfach so in meinem Leben rum, weil es schön bequem für dich ist, oder?«

Der Stolz lässt den Kopf hängen. »Ja, so ist es.« tönt seine Stimme durch den Raum. »Aber ich bin doch so gerne bei dir. Und ich bin ja auch da, um dich zu schützen.  Stell dir nur vor, wenn jeder auf die Idee kommt, seinen Stolz abzuschaffen. Dann wäre ich ja arbeitslos… Und dann?« fragt Stolz mit zittriger Stimme.

 

Such dir ein neues Zuhause!

Ich sehe ihn an und streichle im über seinen Kopf.

»Ach Stolz, mach es mir nicht so schwer. Ich fürchte, du musst dir jemand anderen suchen. Ich möchte nicht mehr dein Zuhause sein.

Ich möchte mit den Menschen leben, sie lieben und auch wenn einige nicht mehr an meiner Seite sein werden, möchte ich, dass sie lächeln, wenn sie an mich denken.«

Versöhnung macht glücklich

Ich fühle mich leicht und mache mich fix ans Werk. In Nullkommmanix sind kleine Verzeih-Briefe geschnürt. Es steht nicht viel drin. Nur das, was wichtig ist: Verzeih mir. Als die Briefe im gelben Briefkastenschlitz verschwinden, fahre ich beschwingt nach Hause.

Gute Fügung

Was für eine gute Fügung, dass ich dieses kleine Heftchen fand. Wie gut, dass mein Bauch mich erinnerte, dass es nicht zu spät ist, um kleine Verzeih-Briefe zu schreiben.

Das größte Glück aber ist, dass der Stolz nicht mehr bei mir wohnt!« jubel ich. Ciao Stolz, HELLO VERSÖHNUNG!

#Jetzt-verzeihmir-Briefe-schreiben! #glücklich-stattstolz

Update 18.10.2020:

Typisch. Das Leben sieht die Sache mit dem Verzeihen dann doch mal ganz anders als ich. :-). Es kam einmal nix und einmal Gezeter.

Meine Oma sagte in ähnlichen Situationen immer: »Und da steh ich nun, ich armer Tor, und bin nicht klüger als zuvor«.

Recht hat sie. Ich bin also der Tor, aber arm ganz und gar nicht. Schließlich kann es doch niemals falsch sein, einem Menschen, den man verletzt hat, die Hand zu reichen. Ruhiger schlafen lässt mich meine ausgestreckte Hand in jedem Fall.

P.S.: Falls meine Verzeih-mir-Briefempfänger diesen Beitrag lesen:

Es ist okay, wenn Ihr bis ans Ende der Tage schmollen wollt. Wenn nicht, gebt Euch einen kleinen Schupps. Das Leben ist doch vieeeel zu kurz für diese ewige Schmollerei :-).

#verzeihmir #nu-iss-aber-schluss-mit-schmolln

❤ Papa

❤ Papa

Meistens hattest du deine Hosenbeine einfach hochgekrempelt, wenn wir im Sommer auf der Wiese saßen. Einen Grashalm im Mund erzähltest du Geschichten von der Zeit, als du klein warst. Dein größter Schatz war ein roter Motorroller, um den dich die ganze Straße beneidete. Diese Erinnerung war immer dein Glücksanker, wenn das Leben mal nicht so lief, wie du es dir vorgestellt hattest auf deinem roten Motorroller durch die Kleinstadt heizend.

Und dass du uns 3 hattest. Wie die Orgelpfeifen sitzen wir vor dir und staunen, dass du einfach so Grasblumen in den Mund schiebst und seelenruhig vor dich hinkaust. Ganz unaufällig zu uns linsend, ob du unsere Aufmerksamkeit auf sicher hast.  Und ja, die hattest du. Ungläubig kriegten wir unsere Münder nicht mehr zu.

Heute weiß ich, dass die Grasblumen Kleeblumen waren und jeder Mensch sie essen kann, ohne tot umzufallen. Damals hielten wir dich für einen Zauberer, der giftige Blumen essen kann.

Heute ist Papatag und ich denke an deine hochgekrempelten Hosenbeine. Deine Beine drunter waren meistens kalkweiß. In Badehose sah ich dich fast nie. Dafür immer dein glückliches Lächeln im Gesicht, wenn wir zusammen waren. Und deine große Hand, in der meine lag.

❤ Danke, Papa!

#Papatag #dankepapa #einfachglücklichTage