Die Schriftsteller-Strickjacke

Die Schriftsteller-Strickjacke

Ich habe sie tatsächlich: meine Schriftsteller-Strickjacke. Immer wenn ich sie ansehe, ruft sie mir zu: Los, Lotte, leg los. Du kannst es. Du bist es. Du bist eine Schriftstellerin.

Du kannst es!

Und obwohl ich noch nicht ein einziges Buch verkauft habe, sehe ich sie an und glaube ihr. Sie ist weinrot, aus Wolle und hat Lederflicken an den Ellenbogen. Ich weiß nicht genau, wie sie es geschafft hat, sich als meine Schriftsteller-Strickjacke einzunorden. Ich weiß nur, sie ist es! Unumstößlich.

Sobald ich sie überstreife bin ich eine unfassbar erfolgreiche Schriftstellerin – nur noch unerkannt. Aber das wird sich ja ändern, sobald die Welt es erfährt: 

Die Frau in der weinroten Jacke ist die Meisterin des Wortes. Sie sitzt an ihrem Kamin bei flackerndem Feuer, ihr Hund (ein Mix aus Golden Retriewer und Schäferhund mit beigefarbenen Fell) liegt entspannt zu ihren Füßen und sie hat ihr Haar locker zurückgebunden. Eine Strähne fällt in ihr Gesicht, während sie konzentriert und mit einem Lächeln ihre Geschichte schreibt.

Zeit für eine Pause, Liebling!

Irgendwann sieht sie hoch und der Mann ihres Lebens steht in der Tür. Er zieht seine linke Augenbrauen hoch. Das macht er immer, wenn er etwas Wichtiges zu sagen hat. »Zeit für eine Pause, Liebling. Ich habe uns einen Kaffee auf der Terrasse gemacht. Die Sonne scheint so herrlich. Komm, setze dich einen Augenblick zu mir und erzähl mir, wie es mit deiner Geschichte vorangeht.«

Ich stehe auf, schlinge meine Schriftsteller-Strickjacke um mich und denke: Wow, genauso habe ich mir das immer vorgestellt.

♥ #wer-oder-was-ist-deine-Schriftsteller-Strickjacke?

Das kleine Taschentuch und die Holzbank

Das kleine Taschentuch und die Holzbank

Wir sitzen auf einer kleinen Holzbank in der Sonne. Meine Nase: sie tropft und ich krame in meiner Tasche nach einem Tempo. Hilfesuchend sehe ich dich an. Im Grunde bist du kein Menschentyp, dem ich Taschentücher zutraue. Du überrascht mich: »Ich habe nur ein echtes, möchtest du das?« Ich versuche zu erahnen, wovon genau du sprichst. »Was meinst du mit ein echtes?«. Du gibst nicht auf. »Ein altes Taschentuch. Das habe ich immer dabei. Möchtest du?« Ich verstehe und frage im Scherz: »schon benutzt?«. Du bleibst wie immer cool. »Nein, Liebling. Es ist frisch gebügelt und ich habe es immer dabei – für genau diese Tage. Ich schenke es dir.« Ich lächle, schniefe und nicke.

Ich lass dich nicht mehr aus den Augen

Du ziehst ein akkurat zusammengefaltetes rosa-weißes Taschentuch aus Baumwolle aus deiner Manteltasche. Ich breche innerlich zusammen. Wo zum Teufel gibt es noch Menschen, die Baumwolltaschentücher bei sich tragen und sie verschenken?? Ich nehme das Taschentuch, verliebe mich augenblicklich in diese wunderbare Geste und verspreche innerlich hoch und heilig, dieses kleine Taschentuch nie wieder aus den Augen zu lassen.

Die Sicherheit der alten Dinge

Wo auch immer ihr alle seid – ihr Taschentücher aus Baumwolle. Früher ward ihr immer an einem festen Platz. In unserer roten Holzkommode lagt ihr perfekt gefaltet übereinander in der 3 Schublade ganz hinten in der linken Ecke.

Niemals nahm ich euch heraus oder fing mit euch eine Nasen-Taschentuch-Beziehung an. Ihr ward so altmodisch und Tempotaschentücher euch weit voraus in meiner Gunst.

Heute sehe ich mein neues Baumwolltaschentuch von dir an und bin verliebt. Sobald es meine Nase berührt, rieche ich den leichten Weichspülergeruch, der schon lange in dir steckt und ein bisschen verloren riecht, aber auch nach so viel Geborgenheit, nach der Sicherheit der alten Dinge, die bleiben.

Ein bessere Welt voller Baumwolltaschentücher

Ich schneuze hinein, anfangs etwas zurückhaltend, es ist schließlich ein Stück Stoff. Dann fester und schließlich so fest ich kann. Ich sehe dich an und frage mich, warum nicht jeder Mensch ein Baumwolltaschentuch bei sich tragen kann. Die Welt wäre eine bessere – davon bin ich überzeugt, als ich mein weiches neues echtes Taschentuch in meine Tasche schiebe. Danke für die einfachen Dinge.

Danke für ein einfaches Taschentuch, dass mich für einen kurzen Moment umarmt hat, als wäre ich wieder 5, weine und mein Papa reicht mir sein Taschentuch. Er trug es immer in seiner linken Hosentasche. Und es war so schnell zur Stelle, ich hatte manchmal nur kurz daran gedacht zu weinen, schon schob es sich unter meine Nase.

Ein besonderer Tag

Ich bin mir darüber im Klaren, dass Tempotaschentücher hygienisch sind und einfacher im Handling. Ich bin mir aber auch darüber im Klaren, dass dieser eine Tag in der Sonne auf der kleinen Holzbank – mit einem Baumwolltaschentuch von einem besonderen Menschen – für immer ein ganz besonderer Tag in meinem Leben bleiben wird.

#altmodisch #geborgenheit #liebe

Schöne Aussichten

Schöne Aussichten

»Guck mal, die Sonne kommt durch«, strahlte meine Großmutter über das ganze Gesicht, wenn die trüben Wolken des Tages ganz plötzlich verdrängt wurden von gleißend hellen Sonnenstrahlen. 

Dann stand ich da, sah erst Oma an und dann in den Himmel. Und ich konnte gar nicht anders, als meine Mundwinkel ebenfalls übers ganze Gesicht bis zu den Ohren hochzuziehen. 

Heute denke ich an diese Sonnenstrahl-Augenblicke mit Oma. Und ich würde gerne mit Ihr sprechen, um sie zu fragen, ob mir diesen Satz in diesen Zeiten noch einmal ausleihen darf. 

Wie ich sie kenne, hätte sie nichts dagegen, würde aber im Gegenzug unbedingt wissen wollen, was das Ganze nun auf sich hätte. Na? Sag mal, Lotte, was ist los? 

Ich sehe sie an: »Oma, dieses Virus, von dem ich dir erzählt habe, es bringt die Menschen dazu, auf Abstand zu gehen. Und nun nach einem Jahr, fragen sich viele, ob wir unser altes Leben mit all den spontanen Umarmungen und Händeschüttelein wiederbekommen. 

Händeschütteln hat sich erledigt

Es gibt erstaunlich viele Menschen, die fest davon überzeugt sind, dass die Welt sich unwiederbringlich verändert hat. Gestern sagte mir ein sehr ein guter Freund, dass er glaube, Händeschütteln hätte sich absolut erledigt. 

Ich meine, Oma, überlege mal. Der schönste erste Kontakt zwischen zwei völlig fremden Menschen, eine erste Berührung, ein erstes Ich bin in Frieden hier. Und das soll nie wieder normal sein? Stattdessen ein kurzes wackeliges miteinander füsseln oder ellenbogenstoßen

Ich sehe Oma entsetzt vor mir sitzen. Ihre Augen werden sehr groß und dann kommen ihre Arme ganz nah an mich ran. Und ehe ich auch nur einen Pieps sagen kann, bin ich in einer Oma-Wolke aus au de Cologne versunken. Ich seufze und spüre, wie meine Tränendrüsen gerade im Begriff sind, sich auf eine richtig große Party zu verabreden. Egal, denke ich und genieße Omas breite Arme. Ich spüre, was sie mir sagen will, noch bevor ich eine Silbe aus ihrem Mund höre. 

»Lotte! Jetzt hör mir mal zu. Dieser Virus, von dem du mir da erzählst; Ich gebe dir recht, der ist sehr penetrant. Aber das waren in meinem Leben dicke Wolken am Himmel auch oft. Und ganz gleich, wie lange sie den Himmel eingenommen hatten, irgendwann konnten sie sich einfach nicht mehr oben halten. Wenn sich genug Wasser in ihnen gesammelt hatte, prasselte Regen herunter. Ein Ende des Grau in Grau kündigte sich an. Wenn dann die Sonne sich die ersten Lücken in den Wolken suchte und mit voller Kraft dazwischen lugte – gab es keinen Gedanken mehr an die vergangenen Stunden in Düsternis. Es war einfach vergessen. 

Wichtig war in diesen Augenblicken nur, dass nun die Sonne wieder lachte. Und genauso wird es mit eurem Virus sein. Jede dunkle Zeit geht irgendwann zu Ende und das Licht danach ist doppelt und fünffach schön. In allen Zeiten, die ich auf der Erde war, und du kannst mir ruhig glauben, was ich dir jetzt sage, ich habe 2 Weltkriege mitgemacht, ist der Mensch immer wieder auf die Füße gefallen. Und danach sofort aufs Herz. 

Alles Tutti-Zeiten

Lotte, lass dir bloß nicht einreden, dass die Düsternis sich halten wird. Das wäre etwas ganz Neues. Ganz im Gegenteil macht es Sinn. Die dunklen Tage sind wertvoll, weil sie ein Hinweis sind, dass wir nicht nur für Hell und Alles-Tutti-Zeiten auf der Welt sind.

Jedes tiefe Tal ist ein Aufruf, die Sicht auf den Berg auzurichten, die Beine in die Hand zu nehmen und los zu laufen, immer mit Blick nach oben. Und auf dem Berg angekommen, wirst du nie denken: Wow, das war ja ein toller Spaziergang. Nein, du wirst wissen, dass du alle Kraftreserven mobilisieren musstest, um da zu sein, wo du jetzt bist. Und genau diese Erschöpfung wird der Grund sein, warum du wie ein kleines Honigkuchenpferdchen selig grinsend da oben rumstehst. Du wirst wissen, dass die Strapazen vorbei sind und du ab jetzt die schöne Aussicht genießen kannst.

Also, Lotte, bleib cool und sollte das nächste Mal wieder ein Mensch daran zweifeln, dass sich nach dem Virus die Sonnenstrahlen zeigen, schick ihm einfach eine dicke Umarmung von mir und diese kleine Bloggeschichte hier.

Ich starre Oma an. Wie sie das wieder auf den Punkt gebracht hat. Danke Oma, finde ich meine Sprache wieder. Ich gebe ihr meine Hand und sie schüttelt sie, bis ich lachend Stop rufe, weil ich schon Muskelkater im Arm fühle.

Ich freu mich auf schöne Zeiten oben auf dem Berg – mit vielen Händen und Umarmungen!

#Vorfreude #SchöneAussichten #Händeschütteln-bis-ich-STOP-sage
💛

Geschwisterliebe

Geschwisterliebe

Lief deine Spucke auf mein Gesicht und du über mir sitzend mit deinem grinsenden Gesicht, schwor ich mir: Das kriegst du wieder. Meistens blieb das ein Wunsch. Du warst einfach stärker – obwohl du eigentlich viel kleiner warst, mein kleiner Bruder.

Die gleiche Zahl an Madonna-Gürteln um die Hosen

Heute höre ich Deacon Blue und denke an dich. An alte Zeiten, in denen dein plärrender Kassettenrecorder mit Raintown bis in mein Kinderzimmer drang. Ich denke an dich und daran, wie sehr du mich oft genervt hast mit deinen blöden Jungsthemen. 3 Jahre zwischen uns und damit oft ganze Welten. Später wurden aus den Welten kleine Inseln, auf denen wir uns trafen. Mit Freunden durch die Diskos unserer kleinen Stadt. Um die Hosen die gleich Anzahl an Madonna-Gürteln. Mit nassem Haar und verschwitzen Gesicht trafen wir uns zu den gleichen Songs auf der Tanzfläche, bildeten einen Kreis und strahlten uns an, weil der DJ deinen Wunsch nach endloser Warterei endlich spielte.

Kleiner Bruder

Kleiner Bruder, heute sind wir beide groß und ich höre Deacon Blue. Heute leben wir jeder unser eigenes Leben. Heute streiten wir uns oft darüber, wie du und ich jetzt sind. Heute denke an dich in großer Geschwisterliebe.

♥ #Liebe

♡ Papabrot

♡ Papabrot

Papa! Heute ist dein Geburtstag und ich erinnere mich an deine Abendbrote mit uns.

Deine Spezialität waren Brote mit Frischkäse oder von uns damals heissgeliebter Teewurst obendrauf.

Gott sei Dank war darunter nie so dick Butter wie bei Oma.

Unser Highlight allerdings waren deine künstlerischen Malereien direkt auf dem Belag. Oft war es eine Sonne oder ein Haus.

Egal, was du drauf maltest. Wir grinsten breit und schaufelten uns deine Liebe direkt in unsere Bäuche. Und dann gings schnurstracks ab ins Bett.

So war das damals. So warst du! Danke Papa, für das Glück, dich an unserer Seite gehabt zu haben. Und deine wunderbaren Papabrote.

#Papaliebe