Der kleine Blechkuchen

Der kleine Blechkuchen

Sonntag, Regen und das Thermometer zeigt 20,5 Grad. Danke, denke ich, damit ist die Tagesplanung von Sonne, Strand und Picknick vom Tisch. Ich mummel mich ein in meine dicke braune Strickjacke, schlürfe an meinem brühheißen Kaffee und starre aus dem Fenster.

Was jetzt? Was, wenn der Tag noch den ganzen Resttag so grau daherkommt, wie er angefangen hat. Ich forste in meinem Kopf nach kleinen Hilfspaketen für einen richtig schönen, glücklichen Sonntag. Und dann hab ichs. Meine Mundwinkel sind plötzlich ganz oben.

Kuchen backen für die Liebsten!

Ich streife meine Küchenschürze über und mache das, was ich gerne an düsteren Tagen mache: Ich backe einen schnellen Obstkuchen vom Blech und dann verteile ich ihn an meine Lieblingsmenschen.

Nicht immer erwische ich alle, dann stelle ich den Kuchen einfach vor die Tür. Und nicht immer sind alle tagesweit in meiner Nähe. Dann packe ich ein oder zwei richtig schöne Stücke ein und verteile sie, wenn ich wieder in Lieblingsmensch-Nähe bin.

Glück ist so einfach.

Und während ich heute kleine Beeren und Apfelstücke auf meinem Blechkuchen verteile, denke ich: Glücklich sein ist gar nicht so schwer!

Schnapp dir ein kleines Stück selbst gebackenen Obstkuchen für deine Liebsten und dann nix wie hin zu ihnen:

klingeln, gespannt und freudig warten, bis sich die Tür öffnet
und dann die Arme ausstrecken und den Obstkuchen direkt unter die Nase halten.

Glücklich sein ist so einfach, denke ich. Oft geht es nicht um das Große, sondern um das Kleine. Eine kleine gebackene Liebeserklärung und schon ist das Herz wieder auf Zack – summt eine zeitlose Melodie von Freundschaft, Geborgenheit und Liebe.

#EinfachBacken #Liebe #Geborgenheit #Blechkuchen

P.S.: Übrigens!
Kommt bald ❤️ Annes und Charlottes Küchengeschichten. Liebe und Kochen – einfach, natürlich, gesund – ohne Zucker und Weizen – mit #annemoldenhauer

 

REZEPT vom kleinen Blechkuchen

 

Das brauchst du

  • 250 Gramm weiche Butter
  • 2 große Esslöffel Honig
  • 5 Eier
  • 200 Gramm Dinkelmehl
  • 200 Gramm Mandeln – fein gemahlen
  • 1 Päckchen Backpulver
  • ca. 100 Milliliter Milch (auch Hafer etc.)
  • Obst zum Belegen für 1 Blech

 

So gehts 

  • Backofen vorheizen (Ober- und Unterhitze 175 Grad)
  • Backblech mit Backpapier belegen.
  • Obst waschen und in kleine Stückchen oder Spalten schneiden.
  • Weiche Butter mit Honig schaumig schlagen.
  • Eier dazurühren
  • In extra Schüssel Mehl mit Mandeln und Backpulver mischen.
  • Im Wechsel Milch und Mehl zum Teig geben.
  • rühren – Achtung: nur kurz: Der Teig darf gerne schwer reißend vom Löffel fallen, evtl sonst noch Schluck Milch dazugeben.
  • Teig auf Blech verteilen und glattstreichen.
  • Obst drauf und fertig.
  • ca. 30 Minuten bei 175 Grad (Ober- Unterhitze) backen (goldbraun).

❤️ Kurz abkühlen lassen, einpacken und mit Kuchen glücklich zu deinen Lieblingsmenschen!

 

Kleine Umwege

Kleine Umwege

Von der Laufrunde in einem Entspannt-Glücklich Modus stelle ich schon mal die Bestandteile des Frühstücks zusammen: Schwarzbrot mit Rührei, nein, doch lieber Obst mit Müsli…An der linken Seite sehe ich ein ganzes Meer von Papablumen, kleine rote Glücksklee-Blumen. Ich denke: Nimm mal eben kurz 2 von denen hier mit, sie blühen einfach gerade so herrlich.

Ich bremse mein Rad ab und mache eine kleine Drehung, um besser an die Blumen zu kommen. Geradewegs zu auf eine Frau. Sie wird langsamer und wirkt etwas wackelig auf ihrem Rad.

Ich sehe sie an, lächele und will mich gerade um sie herumschlängeln, da höre ich: »Entschuldigen Sie, kann ich Sie etwas fragen?« Ich sehe sie aufmerksam an und nicke. »Wissen Sie, wo das Krankenhaus hier in der Nähe ist? Bin ich auf dem richtigen Weg? Muss ich hier gleich rum?«

 

Traurigkeit

Erst jetzt nehme ich die Frau näher in mein Visier: Ende 60 und irgendwie sehr ordentlich angezogen. Meine Großmutter hätte adrett dazu gesagt. blonder Kurzhaarschnitt und mir fällt auf, wie schön sie ist. Nur ihre Gesichtszüge wirken sehr müde und erzählen mir sekundenschnell eine kleine Geschichte von Traurigkeit.

»Nein, sage ich, das ist der falsche Weg. Sie müssen zurück.« Die Frau seufzt. Sie ist erschöpft und ihre kleine Verzweiflung macht sich zwischen unseren Rädern breit. Ich spüre ganz deutlich: Hier geht es um mehr, als um den falschen Weg. »Haben Sie es eilig?« frage ich. Ja, sagt sie und ich fühle ihre Erleichterung über meine Frage. Das Krankenhaus, es ist doch nur bis 12 geöffnet. Jetzt ist es schon fast 11.« Okay, denke ich, zähle eins und eins zusammen und weiß jetzt, hier geht es um etwas Elementares für diese Frau.

 

KOPF UND HERZ

»Das Krankenhaus ist in dieser Richtung, sage ich und zeige mit meiner Hand in die entgegengesetzte Richtung. Sie müssen geradeaus, dann links bis zum Ende und wieder rechts, dann irgendwann kommt die kleine Straße, da ist es nicht mehr zu übersehen.»

Während ich meine Beschreibung auf ihre Nachfragen hin zweimal wiederhole, spricht mein Kopf mit mir. »Was denkst du, wie oft verfährt sich diese Frau, bis sie endlich an ihr Ziel kommt?«

Und als der Kopf gerade Luft holt, um seinen Appell zu wiederholen, meldet sich das Herz.

Mein Herz japst: »Jetzt echt, Lotte, sieh mal hin. Was soll diese olle blöde Beschreibung? Du siehst doch, dass diese Frau fix und fertig ist und den Weg niemals bis 12 Uhr findet.«

 

KLEINE FRAGEN

Noch während die Beiden sich gar nicht mehr einkriegen vor Kampfgeist und Solidarität für die fremde Frau, verabschiede ich mich von meinem Frühstücksplan und höre mich sagen: »Ich bringe Sie kurz, dann kommen sie auf jeden Fall in 20 Minuten an.« Die Frau macht gar keinen Versuch, mein Angebot höflich abzulehnen. Sofort dreht sie Ihr Rad und instruiert mich, lieber vorzufahren.

Wir fahren sehr zügig, ich vor ihr und sie hinter mir. Ab und zu drossle ich das Tempo und stelle ihr kleine Fragen: »Wenn besuchen Sie?« »Meinen Mann« »Oh!« Mein Herz und mein Kopf und ich, wir drei sehen die Frau erschrocken an. Die Frau ist stumm.

 

ICH SCHÄME MICH

Ich trete sehr fest in die Pedale und sehe mich um, ob sie mir folgen kann. Sie wirkt sehr entschlossen, hier jetzt keine Schwächere zu zeigen. »Es ist hoffentlich nichts Schlimmes, rufe ich ihr zu, obwohl ich mir an 3 Fingern abzählen kann, dass es auf jeden Fall etwas schlimmes ist. »Etwas mit der Lunge.» Ich erwidere nichts. »Ziemlich plötzlich….aber bloß nie zum Arzt«

Ihre Stimme wird immer leiser, im Fahrtwind nehme ich sie nur noch mit Mühe wahr. Ich versuche, meine zuversichtlich klingen zu lassen: »Ja, Männer!« Dabei fühle ich mich hilflos und schäme mich, nur eine kleine Floskel zu haben in diesem Moment im Park auf dem Rad vor einer Frau, die auf dem Weg ist zu ihrem schwerkranken Mann ins Krankenhaus.

 

OHREN AUF

Und als ob das noch nicht genug Verzweiflung ist für einen Augenblick, erzählt sich von all den Dingen, die jetzt nicht mehr sind. »Den Garten mussten wir auch aufgeben…« Fast möchte ich mir die Ohren zuhalten, so viel Traurigkeit klatscht von ihr ungebremst auf mich.

Aber dann mache ich meine Ohren weiter auf, als ich es für möglich gehalten hätte ohne Frühstück. Und alles, was diese Frau mir während der Fahrt erzählt, ist der kleine Hinweis vom Leben: dass es endlich ist. Und dass es in seiner Schönheit nicht ewig auf uns wartet – Es wartet nicht auf morgen, nicht auf nächstes Wochenende oder nächstes Jahr.

 

DAS LEBEN IST JETZT

Das Leben ist jetzt. Und egal, wie oft dieser schlichte Satz schon bemüht wurde, um die Oberflächlichkeit nicht voll gelebter Tage in die Schranken zu weisen – er ist es jeden Tag wert, ihn zu wiederholen. Das Leben ist jetzt!

Ich nehme noch mehr Fahrt auf, damit sie so schnell wie möglich da ist, wo sie jetzt sein will: bei ihrem Mann. Wir heizen um die Ecken und endlich kommen wir an einer kleinen Abbiegung an. Die große Straße vor dem Krankenhaus ist zu sehen.

Die Frau und ich bleiben stehen. »Wir sind da« sage ich. »Ich wünsche Ihnen und Ihrem Mann alles Gute« Sie greift zu meiner Hand und ich nehme ihre. In diesem Moment weiß ich, warum dieser kleine Weg kein Umweg war. Die Frau sagt: »Danke! Wenn Sie mich in der Stadt sehen und ich erkenne Sie nicht, bitte sprechen Sie mich an.« Ich lächele sie an. »Ja, das mache ich. Ich bin übrigens Charlotte. Sie hat sich schon umgedreht und nimmt Kurs auf zur großen Straße.

 

Versprochen

Ich wende mein Fahrrad und radele nach Hause. Sehr, sehr schnell. Nach ungefähr 100 Metern bedanke ich mich bei Herz und Kopf. »Gut gemacht!« Beide sind seelig. »Aber eins noch, Ihr Beiden.« Sie sehen mich gespannt an. »Wir werden unser Leben unbedingt mit allen Sinnen genießen, versprochen? Ihr wisst ja, dass auch bei uns eine Zeit kommen wird, in der wir uns von Menschen verabschieden müssen, die wir lieben.« Beide nicken ehrfürchtig.

»Aber bis dahin – das verspreche ich euch!!«, sage ich ganz laut vor mich hin und ich weiß, dass die Beiden mich auf ewig darauf festnageln werden, »bis dahin leben wir ein richtig großartiges Leben! JETZT!!!«

 

 

Glück am Boden

Glück am Boden

An den sorgenvollen Blick meiner Großmutter bei unseren Ausflügen ins Grüne erinnere ich mich gut. Er kam immer dann zum Einsatz, wenn ich wieder alles mögliche, was mir vor die Füße kam, sofort in die Hände nahm, um es zu von allen Seiten zu inspizieren. Immer mit großen Augen, als läge eine ganze Welt in meiner Hand.

Allerdings lernte ich schnell, dass (mehr …)

Die Schriftsteller-Strickjacke

Die Schriftsteller-Strickjacke

Ich habe sie tatsächlich: meine Schriftsteller-Strickjacke. Immer wenn ich sie ansehe, ruft sie mir zu: Los, Lotte, leg los. Du kannst es. Du bist es. Du bist eine Schriftstellerin.

Du kannst es!

Und obwohl ich noch nicht ein einziges Buch verkauft habe, sehe ich sie an und glaube ihr. Sie ist weinrot, aus Wolle und hat Lederflicken an den Ellenbogen. Ich weiß nicht genau, wie sie es geschafft hat, sich als meine Schriftsteller-Strickjacke einzunorden. Ich weiß nur, sie ist es! Unumstößlich.

Sobald ich sie überstreife bin ich eine unfassbar erfolgreiche Schriftstellerin – nur noch unerkannt. Aber das wird sich ja ändern, sobald die Welt es erfährt:

Die Frau in der weinroten Jacke ist die Meisterin des Wortes. Sie sitzt an ihrem Kamin bei flackerndem Feuer, ihr Hund (ein Mix aus Golden Retriewer und Schäferhund mit beigefarbenen Fell) liegt entspannt zu ihren Füßen und sie hat ihr Haar locker zurückgebunden. Eine Strähne fällt in ihr Gesicht, während sie konzentriert und mit einem Lächeln ihre Geschichte schreibt.

Zeit für eine Pause, Liebling!

Irgendwann sieht sie hoch und der Mann ihres Lebens steht in der Tür. Er zieht seine linke Augenbrauen hoch. Das macht er immer, wenn er etwas Wichtiges zu sagen hat. »Zeit für eine Pause, Liebling. Ich habe uns einen Kaffee auf der Terrasse gemacht. Die Sonne scheint so herrlich. Komm, setze dich einen Augenblick zu mir und erzähl mir, wie es mit deiner Geschichte vorangeht.«

Ich stehe auf, schlinge meine Schriftsteller-Strickjacke um mich und denke: Wow, genauso habe ich mir das immer vorgestellt.

♥ #wer-oder-was-ist-deine-Schriftsteller-Strickjacke?

Das kleine Taschentuch und die Holzbank

Das kleine Taschentuch und die Holzbank

Wir sitzen auf einer kleinen Holzbank in der Sonne. Meine Nase: sie tropft und ich krame in meiner Tasche nach einem Tempo. Hilfesuchend sehe ich dich an. Im Grunde bist du kein Menschentyp, dem ich Taschentücher zutraue. Du überrascht mich: »Ich habe nur ein echtes, möchtest du das?« Ich versuche zu erahnen, wovon genau du sprichst. »Was meinst du mit ein echtes?«. Du gibst nicht auf. »Ein altes Taschentuch. Das habe ich immer dabei. Möchtest du?« Ich verstehe und frage im Scherz: »schon benutzt?«. Du bleibst wie immer cool. »Nein, Liebling. Es ist frisch gebügelt und ich habe es immer dabei – für genau diese Tage. Ich schenke es dir.« Ich lächle, schniefe und nicke.

Ich lass dich nicht mehr aus den Augen

Du ziehst ein akkurat zusammengefaltetes rosa-weißes Taschentuch aus Baumwolle aus deiner Manteltasche. Ich breche innerlich zusammen. Wo zum Teufel gibt es noch Menschen, die Baumwolltaschentücher bei sich tragen und sie verschenken?? Ich nehme das Taschentuch, verliebe mich augenblicklich in diese wunderbare Geste und verspreche innerlich hoch und heilig, dieses kleine Taschentuch nie wieder aus den Augen zu lassen.

Die Sicherheit der alten Dinge

Wo auch immer ihr alle seid – ihr Taschentücher aus Baumwolle. Früher ward ihr immer an einem festen Platz. In unserer roten Holzkommode lagt ihr perfekt gefaltet übereinander in der 3 Schublade ganz hinten in der linken Ecke.

Niemals nahm ich euch heraus oder fing mit euch eine Nasen-Taschentuch-Beziehung an. Ihr ward so altmodisch und Tempotaschentücher euch weit voraus in meiner Gunst.

Heute sehe ich mein neues Baumwolltaschentuch von dir an und bin verliebt. Sobald es meine Nase berührt, rieche ich den leichten Weichspülergeruch, der schon lange in dir steckt und ein bisschen verloren riecht, aber auch nach so viel Geborgenheit, nach der Sicherheit der alten Dinge, die bleiben.

Ein bessere Welt voller Baumwolltaschentücher

Ich schneuze hinein, anfangs etwas zurückhaltend, es ist schließlich ein Stück Stoff. Dann fester und schließlich so fest ich kann. Ich sehe dich an und frage mich, warum nicht jeder Mensch ein Baumwolltaschentuch bei sich tragen kann. Die Welt wäre eine bessere – davon bin ich überzeugt, als ich mein weiches neues echtes Taschentuch in meine Tasche schiebe. Danke für die einfachen Dinge.

Danke für ein einfaches Taschentuch, dass mich für einen kurzen Moment umarmt hat, als wäre ich wieder 5, weine und mein Papa reicht mir sein Taschentuch. Er trug es immer in seiner linken Hosentasche. Und es war so schnell zur Stelle, ich hatte manchmal nur kurz daran gedacht zu weinen, schon schob es sich unter meine Nase.

Ein besonderer Tag

Ich bin mir darüber im Klaren, dass Tempotaschentücher hygienisch sind und einfacher im Handling. Ich bin mir aber auch darüber im Klaren, dass dieser eine Tag in der Sonne auf der kleinen Holzbank – mit einem Baumwolltaschentuch von einem besonderen Menschen – für immer ein ganz besonderer Tag in meinem Leben bleiben wird.

#altmodisch #geborgenheit #liebe

Schöne Aussichten

Schöne Aussichten

»Guck mal, die Sonne kommt durch«, strahlte meine Großmutter über das ganze Gesicht, wenn die trüben Wolken des Tages ganz plötzlich verdrängt wurden von gleißend hellen Sonnenstrahlen. 

Dann stand ich da, sah erst Oma an und dann in den Himmel. Und ich konnte gar nicht anders, als meine Mundwinkel ebenfalls übers ganze Gesicht bis zu den Ohren hochzuziehen. 

Heute denke ich an diese Sonnenstrahl-Augenblicke mit Oma. Und ich würde gerne mit Ihr sprechen, um sie zu fragen, ob mir diesen Satz in diesen Zeiten noch einmal ausleihen darf. 

Wie ich sie kenne, hätte sie nichts dagegen, würde aber im Gegenzug unbedingt wissen wollen, was das Ganze nun auf sich hätte. Na? Sag mal, Lotte, was ist los? 

Ich sehe sie an: »Oma, dieses Virus, von dem ich dir erzählt habe, es bringt die Menschen dazu, auf Abstand zu gehen. Und nun nach einem Jahr, fragen sich viele, ob wir unser altes Leben mit all den spontanen Umarmungen und Händeschüttelein wiederbekommen. 

Händeschütteln hat sich erledigt

Es gibt erstaunlich viele Menschen, die fest davon überzeugt sind, dass die Welt sich unwiederbringlich verändert hat. Gestern sagte mir ein sehr ein guter Freund, dass er glaube, Händeschütteln hätte sich absolut erledigt. 

Ich meine, Oma, überlege mal. Der schönste erste Kontakt zwischen zwei völlig fremden Menschen, eine erste Berührung, ein erstes Ich bin in Frieden hier. Und das soll nie wieder normal sein? Stattdessen ein kurzes wackeliges miteinander füsseln oder ellenbogenstoßen

Ich sehe Oma entsetzt vor mir sitzen. Ihre Augen werden sehr groß und dann kommen ihre Arme ganz nah an mich ran. Und ehe ich auch nur einen Pieps sagen kann, bin ich in einer Oma-Wolke aus au de Cologne versunken. Ich seufze und spüre, wie meine Tränendrüsen gerade im Begriff sind, sich auf eine richtig große Party zu verabreden. Egal, denke ich und genieße Omas breite Arme. Ich spüre, was sie mir sagen will, noch bevor ich eine Silbe aus ihrem Mund höre. 

»Lotte! Jetzt hör mir mal zu. Dieser Virus, von dem du mir da erzählst; Ich gebe dir recht, der ist sehr penetrant. Aber das waren in meinem Leben dicke Wolken am Himmel auch oft. Und ganz gleich, wie lange sie den Himmel eingenommen hatten, irgendwann konnten sie sich einfach nicht mehr oben halten. Wenn sich genug Wasser in ihnen gesammelt hatte, prasselte Regen herunter. Ein Ende des Grau in Grau kündigte sich an. Wenn dann die Sonne sich die ersten Lücken in den Wolken suchte und mit voller Kraft dazwischen lugte – gab es keinen Gedanken mehr an die vergangenen Stunden in Düsternis. Es war einfach vergessen. 

Wichtig war in diesen Augenblicken nur, dass nun die Sonne wieder lachte. Und genauso wird es mit eurem Virus sein. Jede dunkle Zeit geht irgendwann zu Ende und das Licht danach ist doppelt und fünffach schön. In allen Zeiten, die ich auf der Erde war, und du kannst mir ruhig glauben, was ich dir jetzt sage, ich habe 2 Weltkriege mitgemacht, ist der Mensch immer wieder auf die Füße gefallen. Und danach sofort aufs Herz. 

Alles Tutti-Zeiten

Lotte, lass dir bloß nicht einreden, dass die Düsternis sich halten wird. Das wäre etwas ganz Neues. Ganz im Gegenteil macht es Sinn. Die dunklen Tage sind wertvoll, weil sie ein Hinweis sind, dass wir nicht nur für Hell und Alles-Tutti-Zeiten auf der Welt sind.

Jedes tiefe Tal ist ein Aufruf, die Sicht auf den Berg auzurichten, die Beine in die Hand zu nehmen und los zu laufen, immer mit Blick nach oben. Und auf dem Berg angekommen, wirst du nie denken: Wow, das war ja ein toller Spaziergang. Nein, du wirst wissen, dass du alle Kraftreserven mobilisieren musstest, um da zu sein, wo du jetzt bist. Und genau diese Erschöpfung wird der Grund sein, warum du wie ein kleines Honigkuchenpferdchen selig grinsend da oben rumstehst. Du wirst wissen, dass die Strapazen vorbei sind und du ab jetzt die schöne Aussicht genießen kannst.

Also, Lotte, bleib cool und sollte das nächste Mal wieder ein Mensch daran zweifeln, dass sich nach dem Virus die Sonnenstrahlen zeigen, schick ihm einfach eine dicke Umarmung von mir und diese kleine Bloggeschichte hier.

Ich starre Oma an. Wie sie das wieder auf den Punkt gebracht hat. Danke Oma, finde ich meine Sprache wieder. Ich gebe ihr meine Hand und sie schüttelt sie, bis ich lachend Stop rufe, weil ich schon Muskelkater im Arm fühle.

Ich freu mich auf schöne Zeiten oben auf dem Berg – mit vielen Händen und Umarmungen!

#Vorfreude #SchöneAussichten #Händeschütteln-bis-ich-STOP-sage
💛